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Niger. Erwidert Frankreich auf unnachgiebige Art?

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Staatsstreich in Niger: Frankreich wird 'auf umgehende und unnachgiebige Art' erwidern,
falls seine Staatsangehörigen angegriffen werden."
Coup d’État au Niger : la France répliquera «de manière immédiate et intraitable»
en cas d'attaque contre ses ressortissants. Par Le Figaro avec AFP, 30 juillet 2023

"Der Präsident der Republik 'wird keinen  Angriff gegen Frankreich und seine Interessen dulden', hat der Élysée-Palast nach den Demonstrationen vor der Botschaft Frankreichs, in Niamey, reagiert." Mit dem Ruf "Wir wollen Rußland" demonstrierten dort, Flaggen Nigers und Rußlands schwenkend, am Sonntagmorgen, Tausende, die mit Tränengas auseinandergetrieben wurden.

Frankreich werde "alle regionalen Initiativen" unterstützen, um die Ordnung wiederherzustellen und Mohamed Bazoum wieder in sein Amt einzusetzen. Westafrika wird doch in Schach zu halten sein! 

Wer nur bringt es dem Staatspräsidenten schonend bei, daß der Angriff auf Frankreich und seine und seiner Konzerne Interessen bereits mit dem Putsch erfolgt ist?

"Interview. 'Krise in Niger und antifranzösisches Gefühl:
Rußland rührt die alten kolonialen Erinnerungen wieder auf'"
ENTRETIEN. Crise au Niger et sentiment anti-français : 
"La Russie remue les vieux souvenirs coloniaux". Par Anatole Bernaudeau, 
La Dépèche, 30 juillet 2023 / L'Indépendant, 31. Juli 2023

INTERVIEW. Krise in Niger und antifranzösische Stimmung: 
„Russland weckt alte koloniale Erinnerungen“

Der Emeritus für Geschichte der Gegenwart am Institut für Politikwissenschaft der Universität Aix-en-Provence Professor Jean-Charles Jauffret erklärt dem Redakteur Anatole Bernaudeau, daß die lokale Bevölkerung nach dem Putsch, vom 26. Juli 2023, den Wunsch geäußert hätte, daß die Anwesenheit Frankreichs im Lande beendet werde: "À bas la France", Nieder mit Frankreich, höre man im ganzen Land. Die Bürger seien vom Westen enttäuscht, nicht nur von Frankreich. Der Kampf gegen die Dschihadisten in dem Sahel-Gebiet, das sechsmal größer ist als Frankreich, hätte seit Frankreichs Eingreifen in Mali, 2013, keine brauchbaren Ergebnisse gebracht.

"Ja, und es gibt Grund, sehr, sehr besorgt zu sein. Du musst kein Strauß sein. Dies ist eine Bestätigung dafür, dass die Region von Russland kontrolliert wird. Und wenn Sie Niger kontrollieren, kontrollieren Sie 80 % der Sahelzone. Vor dem Putsch blieb das Land ein Stützpunkt Frankreichs. Jetzt bleibt nur noch Tschad übrig, aber wie lange."

Den Uranabbau betreffend, liest man in französischen Medien zunächst, der wäre für die Société Orano, ex-Areva, die das Uran seit 50 Jahren abbaut, nicht so wichtig, er machte nur 10% des Uranbedarfs für Frankreichs Atomindustrie aus. Niger fördere überhaupt nur 4% des weltweit geförderten Uranerzes. Die Daten scheinen von Statista zu kommen,: Niger an 14. Stelle.

Statista Research Department, 14. April 2023

"Mehr als 50% des in Niger gewonnenen Uranerzes wird dazu benutzt, französische AKWs zu betreiben. 24% der Uranimporte der EU kommen aus Niger."

Prof. Jean-Charles Jauffret berichtet, daß sich im Niger die größte Uranmine der Welt befindet,  eine der wenigen natürlichen Ressourcen des Landes, in Arlit. Gibt man Arlit bei Google ein, so kommt man auf die Organisation Hibakusha Weltweit. "Eine interaktive Karte zu den Gesundheits- und Umweltfolgen der nuklearen Kette", mit Informationen zu den Uranminen von Arlit und Akokan.

"Niger, ein Land mit einem der niedrigsten Entwicklungsstände der Welt, ist gleichzeitig der drittgrößte Produzent des Waffen- und Energierohstoffs Uran. Die Kehrseite des lukrativen Geschäfts: In Minen-Städten wie Arlit und Akokan messen Wissenschaftler heute gefährliche Dosen von Radioaktivität, die zu erhöhten Krebsraten führen. ... Heute ist die unterirdische Uranmine von Akokan die größte der Welt und Niger der Lieferant von etwa 7,5 % des weltweiten Uranerzes."


Arlit liegt 1 200 km nordwestlich von Niamey. Die Société Orano informiert auf ihrer Website

"Die Compagnie Minière d’AKOUTA (COMINAK) ist eine Aktiengesellschaft nach nigerischem Gesetz mit einem Kapital von 3,5 Milliarden Franc CFA [5 337 500 €, Stand: 31. Juli 2023], gegründet am 12. Juni 1974. Sie baut die Uranschichten in der Provinz von Agadez ab, im Norden von Niger.

Die Aktionäre von COMINAK 
Seit Ende Februar 2021 hält Orano 59% des Kapitals von COMINAK, nach der Übernahme des Teils, der von einem der historischen Aktionäre gehalten wurde, der japanischen Gesellschaft [Overseas Uranium Resource Development] OURD (25%)."

"Die industriellen Aktivitäten von COMINAK werden in AKOUTA ausgeübt, einer Industriezone 6 km entfernt von der städtischen Siedlung AKOKAN, wo die Arbeiter und ihre Familien wohnen. Das Gelände ist 12 km entfernt von den Einrichtungen der Mine von SOMAÏR."

On March 31, 2021, the Akouta mine in Niger operated by COMINAK 
ceased production after nearly 50 years of service. Réaménagement Cominak


Zum Franc CFA [1 XAF = 0,001525 EUR, 1 EUR = 655,837991 XAF, Stand: 31. Juli 2023] fragt Dagmar Henn, auf RT, am 27. Juli 2023:

"Warum haben bis heute die ehemaligen Kolonialmächte nie angeboten, Handel in der Landeswährung zu treiben oder nötigen sogar, wie Frankreich mit dem CFA-Franc, den Ländern eine Währung auf? Es wäre technisch betrachtet kein Problem, den Handel entsprechend umzustellen. Es geschieht nicht, weil damit ein ökonomischer Vorteil für die westlichen Länder verloren ginge."

Der Franc CFA ist so wenig wert, daß man den Betrag in Euro kaum sehen kann: Promille!

Außer dem französischen Militär sind zur Zeit 500 bis 600 französische Staatsbürger in Niger, und, wie man heute aus meiner Dorfzeitung erfährt, sind dort auch 1 100 US-Soldaten stationiert, die nunmehr, wie ein US-Gesetz bestimmt, aus dem Land in die Heimat zurückgeholt werden sollen.  Wenn das keine "unerschütterliche" Unterstützung ist! Antony Blinken hat recht: Jedem Land, aus dem die USA weichen und ihren Einfluß gegen die Bevölkerung nicht militärisch sichern, geht es durch diese indirekte Unterstützung besser - es sei denn, sie kehren auf dem Luftweg und bombardierend zurück.

Frankreich hat versichert, daß es keinen Angriff auf seine Staatsbürger und seine Interessen in Niger dulden werde. Es werden andererseits keine Franzosen evakuiert, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß durch einen verrückten Putschisten-Fan, gern auch einen Rußland-Wimpel schwenkend, ein Bürger zu Schaden kommen könnte. So fragt RT und zeigt ein Foto des von Mohamed Barzoum entlassenen Generals Amadou Abdraman*, bei einem Fernsehauftritt, vom 31. Juli 2023:

* Nicht General Amadou Abdraman wurde von Präsident Mohamed Barzoum entlassen, im April 2023, sondern der in Niger sehr beliebte General Salifou Modi. Abdourahamane Tchiani bzw. Tiani sollte der nächste gewesen sein.  Präsident Mohamed Barzoum hatte nie eine gute Beziehung zur Nationalgarde.

Putsch in Niger: Interveniert Frankreich militärisch?, RT, 31 Juli 2023 16:31 Uhr

"Einer der am Militärputsch beteiligten Offiziere, Amadou Abdraman, sagte am Montag im nationalen Fernsehen Nigers, Frankreich habe die Regierung des Nachbarlandes Nigeria um Erlaubnis ersucht, ihren Luftraum für Luftschläge gegen Niger zu nutzen, und plane eine militärische Intervention."

Nigeria hat derzeit eine westlich orientierte Regierung. Außerdem kennt sich Emmanuel Macron in dem Land aus wie in keinem anderen, da hat er, vor 21 Jahren, sein ENA-Auslandspraktikum absolviert, ein halbes Jahr, und ganz ohne Brigitte Trogneux! Er hinterließ dort nur gute Erinnerungen. 

Auch die Streitkräfte Nigers sind einverstanden, daß ihr Land von Frankreich mit Bomben belegt wird. Der Minister für Verteidigung ist verhaftet. Die Unterschrift unter die Genehmigung stammt vom Interimspremierminister Seiner Exzellenz Massoudou Hassoumi, Staatsminister, Minister für Auswärtige Angelegenheiten und Zusammenarbeit Nigers, . 

Derweil wird ein neuer Stellvertreterkrieg gegen Rußland, erweitert auf den "Globalen Süden", vorbereitet. Werden die 1 100 US-Militärs doch nicht aus Niger abgezogen?

"Im Niger sind auch rund einhundert Bundeswehr-Soldaten stationiert. Nach Einschätzung der Bundesregierung seien sie derzeit nicht akut gefährdet."

Was tun die da eigentlich alle, Franzosen, Amerikaner, Deutsche, in fremder Herren Länder?

"Für unsere Würde und unsere Ehre sind wir entschlossen zu sterben!!!"

Militärregierung in Niger stoppt Uranexport nach Frankreich – EU droht

"Die Militärregierung in Niger hat laut Medienberichten den Export von Uran nach Frankreich verboten. Unterdessen verschärft der Westen seine Drohungen gegen die Putschisten. Sowohl die EU als auch die USA haben Unterstützung für eine mögliche Intervention der ECOWAS angekündigt."

Die Ukraine wird dem Westen langsam langweilig. Neue "Ukrainer" müssen her! 😈

Affaire à suivre ...

Der Putsch in Niger ist eine Katastrophe für Frankreich. 29. Juli 2023/Updates, 30 Juli 2023

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