Politik und Medien können vieles verschweigen, sie können lügen, auslassen, erfinden, beschönigen, aber den aufmerksamen Lesern entgeht dennoch nicht, worum es bei der Flüchtlingspolitik geht, nämlich um die Destabilisierung Syriens und damit um die Schwächung seines Verbündeten Rußland. Am Beispiel zweier Berichte des Lokalblattes L'Indépendant sei dies exemplarisch gezeigt.
In Damaskus leben, bis 2011, "glücklich und zufrieden" der Geologe mit Hochschulabschluß Samir, leitender Angestellter in einer Keramikfabrik, seine Ehefrau Jamila, von Beruf Mathematiklehrerin, und ihre schulpflichtigen Söhne Ali und Rabah. Die Familie gehört zur oberen Mittelklasse. Aus dem Namen Ali kann man schließen, daß es sich bei der Familie um Schiiten handelt, um Zwölfer-Schiiten, Alawiten oder Ismaeliten. Die Ismaeliten und Alawiten sind Schiiten mit einigen Abweichungen von deren Lehre. Die Familie des Bashar al-Assad gehört zum Zweig der Alawiten.
Fünf Jahre fürchten sie, daß eines Tages auch ihr Haus von einer Bombe getroffen werden könnte, 2015 verliert Samir auf Grund des wirtschaftlichen Niederganges seine Anstellung und ein Familienmitglied wird in Syrien ermordet. Einzelheiten, von wem, wann und wo liefert Pierre Miffre nicht. Der Autor ist Ehemann oder ein sonstiges Familienmitglied des Gemeinderatsmitglieds Catherine Miffre, der leitenden Angestellten eines Unternehmens der Privatwirtschaft.
Was er ebenfalls nicht mitteilt: Im Internet können Samir und Jamila über die Flüchtlingsströme lesen, die sich über das Mittelmeer nach Europa ergießen. Nach Italien und Griechenland ziehen, in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015, vor Krieg, Konflikt oder Verfolgung 135 000 Männer, Frauen und Kinder, berichtet die Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen UNHCR, wobei die Route über die Türkei nach Griechenland in den letzten Monaten der über das Mittelmeer den Rang abgelaufen habe. Was nicht dort steht: Die Türkei tut im Einvernehmen mit den USA und ihren Alliierten im Sinne der Schwächung des Bashar al-Assad ihr Bestes, dem Land die Besten zu entziehen.
Mediterranean Crisis 2015 at six months: refugee and migrant numbers highest on record
Ein Drittel dieser Flüchtlinge komme aus Syrien, die anderen seien vor allem aus Afghanistan und Eritrea. Die Syrer wären zunächst in den Libanon und in die Türkei geflohen, wo sie aber nicht ausreichend Arbeit, Schutz, Gesundheitsversorgung und Ausbildung für ihre Kinder gefunden hätten.
Wenn man an das Schicksal der im Dritten Reich aus Deutschland und Europa vertriebenen Juden denkt, kann man nur staunen, was UNHCR unter Flüchtlingen und deren Anspruch versteht. Bereits Mitte 2015 wird deutlich, daß es sich um etwas anderes handeln muß als um Flüchtlingshilfe, nämlich um eine vom Westen unterstützte massenhafte Aussiedlung von Syrern aus ihrem Land.
Die heiße Phase beginnt im Sommer 2015: Zahl der Asylbewerber erreicht im Juli Rekordhoch
Der inzwischen arbeitslose Samir verkauft sein Auto und einen Teil seines Vermögens, um seine Familie in Sicherheit zu bringen. Da kommt bereits die Frage auf, wie er Auto und Besitztümer verkaufen kann, wenn es sich um ein vollständig zerrüttetes Land handelt, in dem nichts mehr funktioniert. Wer kauft Haus und Besitz? Woher kommt das Geld? Wieso läßt er seine Frau und den jüngsten Sohn dort zurück, die schwächsten Familienmitglieder?
Am 30. August 2015 nimmt er mit Ali, seinem ältesten Sohn, den Bus nach Beirut, um das "Abenteuer" des Exils zu wählen. 15 Tage irrt er durch Europa. Im Viehtransporter, geht's mit 50 weiteren wie Sklaven behandelten Passagieren Richtung Meer. Polizei, Zoll und Schlepper kosten ihn $ 6 000, er verteilt das Bakschisch in $ 100 - Scheinen.
Im sieben bis acht Meter langen überfüllten Schlauchboot schippern er, sein Sohn und 20 weitere Migranten fünf Nachtstunden von Izmir nach Samos, das Wasser bis zu den Knöcheln, von dort, größtenteils zu Fuß, geht's weiter nach Athen und nach Mazedonien, von wo er und Tausende von Migranten versuchen, durch die von bewaffneten Kräften bewachten Grenzbefestigungen nach Serbien zu gelangen. Sie halten die Migranten auf, aber "Samir, seinen Sohn in den Armen" und flehentlichen Blickes, schafft es, einen Wächter zu überzeugen, ihn und seinen Sohn durchzulassen. Der Sohn ist demnach unter zehn Jahre alt, der Vater muß in den 30ern sein, im besten wehrfähigen Alter. Er behauptet aber, 46 Jahre alt zu sein.
Er und sein Sohn gelangen bis München. Dort weist ihn und einige andere Flüchtlinge eine Anzeige im Radio nach Frankreich. Von wem aufgegeben, in welchem Sender, welcher Sprache? Arabisch?
"Also trifft er seine Wahl, in dieses Land zu gehen. In den Bus verfrachtet, gelangen sie, am 15. September 2015, nach Paris und Champagne-sur-Seine. Er beginnt, seine Sorgen zu vergessen, erstaunt über die menschlichen Werte dieses Landes." Das steht da wirklich!
Son choix a été alors fait de rejoindre ce pays. Rapatriés en bus, Paris et Champagne sur Seine le 15 septembre 2015. Il va commencer à oublier les soucis, étonné par les valeurs humaines de ce pays.
Die Gewährung von politischem Asyl ist das, was unser Land auszeichnet, sagt Bürgermeister Jean-Paul Billès, Rentner der Privatwirtschaft. Er und alle Gemeinderatsmitglieder gehören einer Wählergruppe Liste d'union communale Pezilla 2020 an, deren politische Richtung im Internet nicht aufzufinden ist: Positionement politique : DIV - Liste Divers, Liste Verschiedene.
Gemeinden sind "branchées", ihre Bürgermeister, Mitglieder in der Vereinigung der Bürgermeister und Stellvertretenden Bürgermeister der Ostpyrenäen werden vom Innenminister empfangen, wenn sie sich bereit erklären, den einen oder anderen Flüchtling oder Migranten aufzunehmen. 51 Flüchtlinge kommen gleichzeitig mit Samir und Ali aus Deutschland in Frankreich an, elf davon im Département Roussillon; nachzulesen im realsatirischen Artikel:
Flüchtlingskrise? Welche Flüchtlingskrise? 24. Oktober 2015
Samir und Ali sind der Grundstock der Familie, die in Pézilla-la-Rivière aufgenommen wird. Es ist der Schaden der Gemeinde nicht. Unterbringung und soziale Betreuung, Verpflegung und Hilfen, Schulen, Ladengeschäfte, Publicity für die gute Tat, alles ist vorhanden in Pézilla, und die französischen Steuerzahler finanzieren die Verwirklichung "der menschlichen Werte dieses Landes".
Am 10. Oktober 2015 werden der psychisch erschöpfte Samir und sein Sohn Ali vom Bürgermeister und anderen Würdenträgern der Stadt empfangen. Geld, Kleidung und das Notwendigste zum Leben werden Samir ausgehändigt. Sie werden für einige Zeit in einer Notunterkunft untergebracht. Einige Monate später zieht die Familie kostenfrei in der Villa einer alten Dame ein, die ihrerseits im Altersheim wohnt. Das Rote Kreuz, die katholische Gemeinde und andere, auch aus den Nachbarorten, spenden für Samir und Ali. Eine Dolmetscherin steht permanent für sie bereit.
Als politischer Flüchtling erhält Samir Sozialhilfe in derselben Höhe wie die Franzosen. Jetzt suche er eine Arbeit in seinem Fachgebiet, der industriellen Geologie, auch wenn er hoffe, nach dem Ende des Konfliktes bald nach Syrien zurückkehren zu können.
Dank des Konsulats in Beirut kommen Jamila und Rabah, am 1. März 2016, in Pézilla-la-Rivière an. Eine Abordnung der Stadt nimmt sie in Marseille in Empfang. Samir ist begeistert:
"Pézilla ist ein Paradies, von dem ich mir nicht hätte vorstellen können, daß es solche Leute gibt. Ich hätte mir gewünscht solche in Syrien zu finden. Ich fühle mich zu Hause."
Den Widerspruch in dieser Aussage scheint der Autor nicht zu bemerken: Wie kann Samir sich zu Hause fühlen, wenn es dort angeblich "solche Leute" nicht gibt? Er fühlt sich eben nicht wie zu Hause, da würde er nämlich zum Wehrdienst eingezogen und müßte an der Seite seiner Landsleute für die Befreiung Syriens von den durch die USA, die Türkei und ihre Verbündeten, darunter Deutschland, unterstützten und finanzierten Rebellen und anderen Terroristen mit der Waffe in der Hand kämpfen. Das zu verhindern, scheut die Gemeinde von Pézilla-la-Rivière nicht Kosten und Mühen. Die Regierung Frankreichs wird es ihr danken, und L'Indépendant hat etwas zu berichten.
20 Tage entsetzliche Rundreise, um sich ein neues Leben aufzubauen
Wem fällt da nicht das Wort John F. Kennedys ein: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“
Noch einmal wird die Irrfahrt von Samir und Ali dargestellt. Mit dem Bus nach Beirut, von dort im Flugzeug nach Istanbul, mit dem Schlauchboot, Kosten $ 1500/Person, nach Griechenland. Die Überfahrt dauert nicht mehr fünf, sondern acht Stunden, das Boot wird nach zwei Stunden leck, aber es finden sich Mitreisende, die das Wasser ausschöpfen. In Griechenland bekommen die Reisenden 60€ von einem Griechen geschenkt, die reichen für eine Nacht im Hotel und für Essen. Dann kümmern sich griechische Helfer um Vater und Sohn, die in diesem Artikel keine Namen haben. Von Mazedonien gelangen sie nach Österreich und nach Deutschland.
Die Asylbewerber haben laut Autor Guy Bosschaerts die Wahl, in Deutschland zu bleiben, oder nach Frankreich zu gehen. "Sie haben Frankreich gewählt, das Land der Freiheiten [sic!]", erklärt Nadia ganz selbstverständlich. 20 Tage sind nach ihrer Abreise vergangen, "aber sie hatten Erfolg". Durch den "Zufall der Möglichkeiten" kommen sie nach Pézilla-la-Rivière.
Als der Mann schließlich eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt, weiß er, daß er sein Ziel erreicht hat. Die Familienzusammenführung bringt Nadia und ihren jüngsten Sohn nach Pézilla, die Familie ist endlich wieder vereint.
Nadia gelingt es dank eines von ihr als solcher bezeichneten, zu entlohnenden Taxifahrers, in den Libanon zu gelangen, um in der Botschaft Frankreichs für sich und ihren Sohn ein teures Visum zu erhalten. Sie durchquert mit ihrem Sohn die Türkei, und beide fliegen, wie schon am 16. Dezember 2016 erwähnt, von Istanbul nach Marseille.
In einem kleinen Kasten wird noch berichtet, wie's weitergehen soll: Die Eltern geben sich zwei Jahre, die Sprache zu lernen, um wieder zu arbeiten. Rückkehr nach Syrien? Vielleicht, wenn das Land wieder sicher ist. Jetzt könne man weder rein noch raus, und in Damaskus sei das Wasser verschmutzt durch Einsickern von Erdöl.
Dieser Familie würde ich für die nächsten 100 Jahre die Einreise nach Syrien verweigern!
Abschließend ein Wort: Der Familie, die dem Konflikt entkommen will, mache ich weniger einen Vorwurf als unseren Regierungen, die mit ihrer Politik die wehrfähigen Männer zu Hunderttausenden aus Syrien abziehen, um der syrischen Regierung und ihren russischen Unterstützern zu schaden. Die Kosten tragen alle außer denjenigen, die diese Politik betreiben.
Die Familie aus Damaskus, der Hauptstadt Syriens, befindet sich in einem 3330-Seelen-Städtchen am Ende der Welt, die Bürger des Ortes sowie französische und europäische Steuerzahler finanzieren die gegen Rußland gerichtete westliche Politik, die der EU und Deutschland von den USA und ihrer Auftragnehmerin Angela Merkel aufgezwungen wird.
Seehofer ärgert sich über gute Merkel-Umfrage. Den Deutschen ist nicht zu helfen!